Happy Birthday Famke Janssen – mehr als nur Jean Grey und Xenia Onatopp
Famke Beumer Janssen wurde am 5. November 1964 in Amstelveen, einer Stadt nahe Amsterdam in den Niederlanden, geboren. Sie wuchs gemeinsam mit ihren beiden Schwestern Marjolein und Antoinette auf, die später ebenfalls in der Filmbranche tätig wurden – Marjolein als Schauspielerin und Antoinette als Regisseurin. Ihre Kindheit und Jugend waren nach eigenen Aussagen von schwierigen familiären Umständen geprägt. Schon früh entwickelte sie den Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit. Neben ihrer schulischen Ausbildung nahm sie verschiedene Gelegenheitsjobs an, unter anderem in Geschäften und Bars. Zunächst begann sie ein Wirtschaftsstudium an der Universität Amsterdam. Während dieser Zeit wurde sie im Alter von 18 Jahren auf der Straße von einem Modelagenten angesprochen. Janssen hielt das Angebot zunächst für wenig glaubwürdig, nahm die Visitenkarte jedoch mit und entschied sich schließlich, den Kontakt aufzunehmen. Damit begann ihre Karriere als internationales Model.




Ihre Modelkarriere führte Janssen zunächst nach Paris und später in die Vereinigten Staaten. Sie arbeitete für international bekannte Modehäuser und erhielt unter anderem einen Vertrag mit Chanel. 1984 zog sie in die USA, wo sie sich schließlich in New York niederließ. Das Model-Geschäft ermöglichte ihr finanzielle Unabhängigkeit und eröffnete ihr zugleich neue Möglichkeiten. Allerdings betrachtete sie diese Tätigkeit nie als dauerhaftes berufliches Ziel. Sie empfand das Modeln zunehmend als einseitig und wollte sich stärker intellektuell und kreativ beschäftigen. Deshalb nahm sie an der Columbia University in New York ein Studium der Literatur und des kreativen Schreibens auf. Filmwissenschaften belegte sie als Nebenfach. Parallel dazu entwickelte sie ein Interesse an der Schauspielerei und besuchte entsprechende Kurse. Nach einigen Jahren beendete sie ihre Model-Karriere und konzentrierte sich auf den Einstieg ins Filmgeschäft.
Der Einstieg in die Schauspielerei gestaltete sich zunächst schwierig. Janssen zog nach Los Angeles und absolvierte zahlreiche Castings, bei denen sie häufig erst in die engere Auswahl kam, letztlich aber nicht besetzt wurde. Ihre ersten Erfahrungen vor der Kamera sammelte sie Anfang der 1990er-Jahre mit Gastauftritten in amerikanischen Fernsehproduktionen. 1992 war sie in der Episode „The Perfect Mate“ der Science-Fiction-Serie „Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert“ als Kamala zu sehen. Im selben Jahr gab sie mit dem Drama „Fathers & Sons“, in dem unter anderem Jeff Goldblum mitwirkte, ihr Kinodebüt. Weitere kleinere Fernsehauftritte folgten, darunter in Melrose Place und Die Unbestechlichen. 1994 übernahm sie außerdem die Hauptrolle im Fernsehfilm „Model by Day“. Trotz ihrer auffälligen Erscheinung und ihrer internationalen Modelerfahrung blieb der große Durchbruch zunächst aus. Janssen beschäftigte sich zwischenzeitlich sogar mit dem Gedanken, selbst Drehbücher zu schreiben und Regie zu führen.



1995 gelang Famke Janssen mit ihrer Rolle als Xenia Onatopp im James-Bond Film GOLDENEYE der internationale Durchbruch. Die Besetzung kam dabei eher unerwartet zustande. Während Janssen gerade für Clive Barkers Horrorfilm „Lord of Illusions“ vor der Kamera stand, wurden Mitarbeiter des Produktionsstudios auf ihre schauspielerische Leistung aufmerksam. Da dasselbe Studio auch an GoldenEye beteiligt war, wurde sie zu einem Vorsprechen eingeladen. Schließlich gehörte sie zu den drei Schauspielerinnen, die für die Rolle der Xenia Onatopp zu einem sogenannten Screen Test nach London eingeladen wurden. Dort spielte sie Szenen gemeinsam mit Pierce Brosnan, der als neuer James Bond erstmals die Hauptrolle übernehmen sollte. Janssen erhielt schließlich die Zusage. In einem Interview zum 30-jährigen Jubiläum des Films im November 2025 erinnerte sie sich daran, dass die Besetzung eine enorme Chance für sie bedeutete. Bis dahin hatte sie zwar bereits einige Film- und Fernsehrollen übernommen, war aber noch nicht Teil einer derart großen internationalen Kinoproduktion gewesen.
Eine besondere Herausforderung waren die körperlichen Actionszenen. Janssen absolvierte dafür unter anderem ein spezielles Training mit Waffen und Stunts. Bei den Dreharbeiten zu einer Kampfszene mit Pierce Brosnan in einem Dampfbad kam es sogar zu einer Verletzung: Weil ihr Filmpartner sie wiederholt gegen die gepolsterten Wände werfen sollte, bat sie ihn, die Bewegungen realistischer auszuführen. Dabei brach sie sich eine Rippe. Brosnan hatte zuvor bewusst vorsichtig agiert, um sie nicht zu verletzen. Janssen berichtete darüber drei Jahrzehnte später im Gespräch mit dem Magazin Esquire. Die intensive körperliche Umsetzung ihrer Rolle trug wesentlich dazu bei, dass Xenia Onatopp zu einer der einprägsamsten Figuren des Films wurde.
Der Erfolg von GOLDENEYE brachte Janssen weltweite Aufmerksamkeit, stellte sie beruflich aber auch vor eine neue Herausforderung. Nach dem Film erhielt sie vermehrt Angebote für Rollen als attraktive, ausländische Gegenspielerin mit Waffen. Insbesondere ihre niederländische Herkunft und ihre Darstellung einer russischen Killerin führten dazu, dass sie häufig auf ein bestimmtes Rollenbild reduziert wurde. Janssen wollte dieser Entwicklung entgegenwirken und suchte gezielt nach Figuren, die einen deutlichen Kontrast zu Xenia Onatopp bildeten. 1997 spielte sie in dem Kriminalfilm „City of Industry“ an der Seite von Harvey Keitel eine amerikanische Supermarktangestellte aus einfachen Verhältnissen. Für das Vorsprechen erschien sie bewusst in einer unscheinbaren Kleidung, um den Verantwortlichen eine andere Seite ihrer schauspielerischen Möglichkeiten zu zeigen. 1998 folgten mehrere unterschiedliche Produktionen, darunter Robert Altmans Thriller „The Gingerbread Man“, Woody Allens Film „Celebrity – Schön. Reich. Berühmt.“ sowie die Science-Fiction-Horrorfilme „The Faculty“ und „Deep Rising“. Diese Auswahl unterstrich ihren Wunsch, sich nicht auf das Image der Bond-Gegenspielerin festlegen zu lassen.




Mit dem Jahr 2000 begann ein weiteres wichtiges Kapitel ihrer Filmkarriere. In Bryan Singers Comicverfilmung „X-Men“ übernahm Janssen die Rolle der Dr. Jean Grey, einer Mutantin mit telepathischen und telekinetischen Fähigkeiten. Obwohl sie zunächst wenig Interesse an Comicverfilmungen hatte, überzeugte sie das Konzept des Regisseurs, die Figuren als menschliche Charaktere mit außergewöhnlichen Fähigkeiten darzustellen. Sie kehrte 2003 in „X-Men 2“ zurück und spielte 2006 erneut Jean Grey in „X-Men: Der letzte Widerstand“. Besonders im dritten Teil erhielt ihre Figur eine zentrale Bedeutung, da sie sich zunehmend in die zerstörerische Persönlichkeit des Phönix verwandelt.
Parallel zu ihrer Arbeit im Kinofilm baute Janssen ihre Präsenz im Fernsehen aus. Eine ihrer bemerkenswertesten Serienrollen übernahm sie in der amerikanischen Dramaserie „Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis“. Als Ava Moore spielte sie eine zunächst selbstsicher und kontrolliert wirkende Lebensberaterin, deren tatsächliche Persönlichkeit sich im Verlauf der Handlung als ausgesprochen komplex und widersprüchlich erweist. 2005 stand sie in dem Psychothriller „Hide and Seek – Du kannst dich nicht verstecken“ gemeinsam mit Robert De Niro vor der Kamera. 2008 folgte der Actionthriller „96 Hours“ („Taken“) mit Liam Neeson, in dem sie Lenore St. John, die frühere Ehefrau der Hauptfigur Bryan Mills, spielte. Diese Rolle übernahm sie auch in den Fortsetzungen „96 Hours – Taken 2“ (2012) und „96 Hours – Taken 3“ (2014).
Neben der Schauspielerei entwickelte Janssen zunehmend Interesse an der Arbeit hinter der Kamera. 2011 gab sie mit „Bringing Up Bobby“ ihr Regiedebüt. Für den Film übernahm sie nicht nur die Regie, sondern verfasste auch das Drehbuch. In der Hauptrolle spielte Milla Jovovich eine alleinerziehende Mutter, die mit ihrem Sohn versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Das Projekt markierte einen wichtigen Schritt in Janssens beruflicher Entwicklung, da sie damit erstmals umfassende kreative Verantwortung für eine Kinoproduktion übernahm. In den folgenden Jahren blieb sie sowohl großen Filmproduktionen als auch kleineren Projekten verbunden. 2013 war sie in „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ als Hexe Muriel zu sehen und kehrte im selben Jahr in „Wolverine: Weg des Kriegers“ als Jean Grey auf die Leinwand zurück. Von 2013 bis 2015 spielte sie außerdem Olivia Godfrey in der Netflix-Horrorserie „Hemlock Grove“.
Auch in den folgenden Jahren blieb Janssen regelmäßig in internationalen Film- und Fernsehproduktionen präsent. Zu ihren Arbeiten zählen unter anderem „The Wolverine“ (2013), „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ (2014) und die Netflix-Serie „When They See Us“ (2019), in der sie die Staatsanwältin Nancy Ryan spielte.
Sie übernahm zudem Rollen in den Filmen „The Postcard Killings“ (2020), „Dangerous“ (2021), „Door Mouse“ (2022) und „Boy Kills World“ (2024).
2025 kehrte sie mit der Netflix-Serie „Amsterdam Empire“ zu ihren niederländischen Wurzeln zurück. Die Produktion war ihre erste Schauspielarbeit in ihrer Muttersprache und zugleich ihre erste Produktion in den Niederlanden. Janssen verkörperte Betty Jonker, eine ehemalige Popsängerin, die von ihrem Ehemann verlassen wird und sich gegen dessen kriminelles Geschäftsimperium zur Wehr setzt. Neben ihrer Hauptrolle war sie auch als ausführende Produzentin beteiligt. Für die Figur entwickelte sie unter anderem die Kostüme mit und bereitete sich mit Gesangs- und Tanzunterricht auf die Rolle vor. In Interviews betonte sie, dass sie sich bewusst immer wieder für kleinere und anspruchsvolle Rollen entschieden habe, um ihre schauspielerischen Möglichkeiten weiterzuentwickeln.


